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Gottlieb, der Frankfurter Ziegenhirt, seinerzeit bestallt mit diesem Amte weil er, wie man sagte, zu anderem nicht taugte, trieb seine Herde, wenn der Frühling kam, gern auf die Insel im Oderstrom, weil die Ziegen dort die ersten und zartesten Gräser fanden. In der Tat war der Hirte ein wenig einfältig, gleichzeitig aber, wie es sich oft begibt, keiner bösen Tat fähig und voller Liebe und blindem Vertrauen zu Mensch und Tier. So übergaben die Frankfurter ihm ihre Ziegen und wussten sie in guten Händen. Auch der Kaufmann Malzer aus der Scharrngasse überließ dem Gottlieb seine hochträchtige Zicke, denn es hieß, die auf dem Ziegenwerder geworfenen Zicklein seien von besonderer Lebenskraft und Fruchtbarkeit, die Insel sei ein gottgefälliger Ort. Da hörte der Gottlieb am Palmsonntag, er hatte sich gerade zu einem Schläfchen unter den Holler gestreckt, vom anderen Ufer des Flusses einen Gesang, wie er ihn noch nie gehört hatte. Ein Mädchen stand am dort, wusch in den Wellen ihr flachsfarbenes Haar, kämmte sich  und sang dabei so bezaubernd, dass selbst die Ziegen im Rupfen der Gräser innehielten und die Köpfe hoben um zu lauschen.  Um Gottlieb war es geschehen. Wild schlug sein Herz und es brannte und es zog ihn zum anderen Flussufer, die Schöne anzubeten. Was aber konnte er, der schlichte Ziegenhirte, der fremden stolzen Fischerstochter bieten ?  Ihr Lied fraß sich in sein Herz, er schlief nicht mehr, er aß nicht mehr und Schwermut befiel ihn. Am Mittwoch vor Ostern warf die Malzersche Ziege ein Zicklein. Gottlieb, dem dies ein Zeichen schien, nahm sich seiner besonders an und fasste schließlich einen Plan. Das Zicklein wollte er der Angebeteten schenken. Am Ostersonntag kleidete er sich in sein bestes Gewand, und setzte über den Strom. Er trat, das kleine Tier auf den Armen, vor die Schöne. Diese jedoch, anderen Glaubens und seiner Sprache nicht mächtig, verstand den Gottlieb nicht. Nicht Ostern war es für sie und die Ziege war ihrem Volk ein Symbol für Unreinlichkeit, Gestank und Dummheit. So wies sie den Gottlieb ab, indem sie sich hinwegdrehte und der kehrte, das Geschenk zurücklassend, blind vor Tränen ans andere Ufer zurück. Bald stellte Malzer, der sich seiner Zucht versichern wollte, das Fehlen des Zickleins fest und ließ den Gottlieb zu Frankfurt an den Pranger schlagen. „Spuckt ihn nur an“, riefen die Leute, „er hat des Malzers Ziege zu Ostern gefressen !“ Die schöne Sängerin ließ das Ziegenkind laufen, denn sie wollte sich nicht besudeln. Auf dem Ziegenwerder aber schrie des Malzers Mutterziege nach ihrem Zicklein, bis sie schließlich in die Oder sprang, um ans jenseitige Ufer zu ihrem Kinde zu gelangen. In der Mitte des Stromes lauerte jedoch ein gewaltiger und gefräßiger Raubfisch, der die Ziege fasste und davon führte.  Noch heute können Verliebte am Ostersonntag auf dem Ziegenwerder den Gesang der schönen Fischerstochter hören, unterbrochen von den warnenden Rufen der Ziegenmutter. „Prüfet euch !, prüfet euch !“, ruft die malzersche Ziege und wer besonders gut hören kann, der hört den Hirten Gottlieb am Pranger weinen. Die Fischer an beiden Ufern aber erzählten noch lange von dem Fisch mit dem Ziegenkopf, den sie inmitten der Oder, in der Nähe des Ziegenwerders, gesehen hatten.

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